Russland: Neuanfang zeichnet sich ab

Konzentration auf ausländischen Mittelstand bewirkt positive Veränderungen beim Geschäftsklima

Oberarth / Schweiz – Vor allem Mittelständler aus DACH, also der Region Deutschland, Österreich, Schweiz, investieren wieder zunehmend in Russland. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass sich russische regionale Regierungen neu verstärkt um den europäischen Mittelstand bemühen, der seinerseits steigende Markchancen in Russland sieht.

Über 35 Prozent der in Russland tätigen Mittelständler aus der Region DACH (Es sind über 50'000) bestätigen aktuell eine deutlich positive Veränderung des Geschäftsklimas im Land. Dies besonders für qualitativ führende ausländische Unternehmen. Nach wie vor bemängeln diese aber die stellenweise immer noch schwerfällige Bürokratie, die in vielen Sektoren schwache Konjunktur und den Protektionismus. Doch seien in allen Bereichen deutliche Verbesserungen spürbar. Darum sind fast alle Unternehmen für 2020 optimistisch, was die Entwicklung ihrer Geschäfte in Russland betrifft.

Übereinstimmend wünschen sich die Unternehmen eine schrittweise oder sofortige Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland. Gleichzeitig hat die Angst vor neuen US-Sanktionen ihren Schrecken verloren. Wichtig erscheint vielen Mittelständlern aus europäischen Ländern auch die aufmerksame Beobachtung der zunehmenden Konkurrenz chinesischer Unternehmen in Russland. Viele verweisen auch darauf, dass die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) ebenso wichtig für ihr Geschäft sei, wie eine russisch-ukrainische Annäherung, da sie als Unternehmen langfristig auf den Transit durch die Ukraine angewiesen seien.

Ein Grund für das neue russische Interesse am ausländischen Mittelstand ist vor allem die schleppende Entwicklung der Automobilindustrie in Russland. Sie ist in den letzten Jahren gegenüber fast allen anderen Sektoren deutlich zurückgefallen. Bisher drehte sich, neben der Öl- und Gasindustrie, fast alles um diese Branche. Besonders ausländische Konzerne hatten immer wieder grosse Investitionen und tausende Arbeitsplätze angekündigt. Eingelöst wurden die Erwartungen der russischen Standorte, gerade in letzter Zeit, immer weniger.

Zur neuen Investitionsfreudigkeit der Unternehmen sagte der Vorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), Matthias Schepp: «Die russische Landeswährung hat zum Euro oder Franken um die Hälfte an Wert verloren. Das ist besonders für Unternehmen mit eigener Produktion in Russland interessant, die ihre Produkte in andere Länder exportierten, aber ihre Werkstoffe und Werkarbeit über die günstige Währung lokal beziehen». «Dadurch kommen heutzutage in Russland Lohnstückkosten wie in China zustande», so Schepp weiter.

Russland bietet mit 140 Millionen Konsumenten, und einer deutlichen Zunahme der Investitionen in moderne Infrastruktur, ein beträchtliches und ständig steigendes Marktpotenzial. So bestätigte die Unternehmerumfrage des Ost-Ausschuss des Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft e.V. im Dezember 2019, dass fast alle Unternehmen für die Geschäftsentwicklung 2020 optimistisch seien. 43 Prozent der Befragten rechnen mit einer positiven oder leicht positiven Wirtschaftsentwicklung (Vorjahr 41 Prozent). Nur noch 15 Prozent befürchten eine Verschlechterung.

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